Ich habe den Eindruck, basierend darauf wie sich die Larp-Community online in Foren und Social Network Sites präsentiert, dass den Gesprächen ein arroganter Tenor unterliegt. Mag ich mich irren, und mag dies nicht der Realität entsprechen, viele wären froh. Nehmen wir jedoch das Schlimmstmögliche an und malen ein Negativbeispiel, das derart überzogen ist, dass das Gegenbild klar deutlich ist: Prinz Intoleranz. Falls man sich tatsächlich mit Teilen der folgenden Polemik identifiziert, so trifft das stets nur für einen Teil zu und man möge es nicht persönlich nehmen. Beginnen wir also mit dem „Rant“.
Wo Larper fuschig werden ist ihre Klamotte und die Unverfrorenheit anderer nicht die beste Kulisse für ihre Larp-Wunsch-Welt zu bieten. Das „Ich spiele nicht mehr mit dir“ - Gehabe von Kindern ist bei Erwachsenen etwas heftiger. Es schlägt um in Arroganz und Spielhemmung, die als Virus den Spielstau provoziert. Einige Larper scheinen nicht miteinander zu spielen. Sie präsentieren und betrachten sich stattdessen. Die einzigen, die Initiative ergreifen, sind die Plotjäger, die in Rolle rätseln wollen (Nacheiferer von Indiana Jones). Die meisten anderen spielen nicht ihre Rollen, sondern verfallen allzugern ins OT. Der Vergleich mit gelangweilten Touristen im Vergnügungspark ist überzogen, oder etwa nicht?
Wie würde echtes Rollenspiel ausschauen? Das musst du mir beantworten, indem du auf meinen Text reagierst.
Einige Vorschläge, die einen Hauch von Subjektivität nicht vertreiben können, sollen zeigen, was zu tun ist, um rollenzuspielen und nicht schon wieder gemeinsam in der Gegend herum zu stehen und zu warten:
Ändere …
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Arroganz in Überheblichkeit. Benutze intime Sätze, die einen bleed Effekt auf deine outtime Person haben (falls man intime und outtime trennen will). Falls dich erneut Mr. Nachtfeuer Nachtfeuer am Lagerfeuer ärgert, sage dir selbstverliebt: „ ach, der arme Rittersmann dort drüben in seiner schäbigen Kutte“. Diese Vorangehensweise empfehle ich zwar nicht, sie richtet jedoch weniger Schaden im Spiel als totale Abweisung. Zusammenspielen ist das Ziel und jeder Schritt in diese Richtung ist rein theoretisch begrüßenswert.
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Arroganz in Zuneigung. Darunter verstehe ich, einmal hinhören, was die Menschen wirklich wollen und denken. Vielleicht spielen die anderen nicht DEIN Spiel, sondern haben eine eigene individuell persönliche und daher nicht deckungsgleiche Meinung wie Rollenspiel Spaß macht? Lass sie erzählen. Du musst nicht einverstanden sein oder mitmachen, aber besser in Frieden koexistieren als sich gegenseitig beschimpfen über Einstellungen, die man nicht teilt.
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Arroganz in Gleichgültigkeit. Klar nach dem Motto: Ist doch egal, wie jeder aussieht. Hauptsache alle spielen fair, das heißt in wichtigen Momenten intime, sich bemühend, Situationen schön ausspielend, auch wenn es Überwindung gekostet hätte. Diese Metamorphose bedarf viel innerer Ruhe und eines dicken Körperpanzers. Als laissez-faire Verbreiter ist dies gar keine schlechte Wahl.
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Arroganz in Mathematik. Jetzt kommen die abgehobenen Ideen. Jeder Mitspieler darf sich 3 Patzer erlauben und muss mindestens 1 schöne Szene rollenspielen. So haben alle was davon und befolgen sklavisch abstrakte Gesetze. Paradox, nicht?
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Arroganz in Abwesenheit. Wer zwingt dich auf eine Con zu gehen? Wenn dir es so wichtig ist, dass eine Con zu deinen gehobenen Ansprüchen passt, dann gehe auch nur auf solche Cons hin. Ach? Es gibt keine Dream-Con? Dann geh auf gar keine Cons mehr oder unternehm etwas, dass jede Con etwas lohnender für alle Beteiligten wird. Mir gefällt auch nicht dein Spiel. Ich für meinen Teil verbreite jedoch konkrete Vorschläge für meine Vorstellung von LARP und schaue ob mir Leute zustimmen oder ich vielleicht ein neues Spiel entwickeln sollte.
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Arroganz in ein neues Ich. Nutze die Chance dich wirklich zu ändern. Wechsle Ansichten und Vorurteile, schau dich um, die Welt kann auch ein anderer Platz sein. Kannst du es oder bist du einer der Spieler die den Tod ihres Charakters mehr bekümmert als ihre Fahrkünste bei 210 km/h auf der Autobahn?
Soviel von meiner Seite zu diesem Thema. Die Kernaussage ist: man muss nicht mit jedem larpen. Tatsächlich ist die einzige Arroganz, die ich mir erlaube: ich will nicht mit arroganten Menschen larpen. Wäre ich nicht voreingenommen, wie sonst könnte ich so detailliert über dieses soziale Phänomen schreiben?
Lesetipp: "Warum wir glauben, dass fette Elfen schlechte Spieler sind" von Carl David Habbe in K. Dombrowski (2012). Larp und ich. Zauberfederverlag.
















